Bilanzpositionen: Aufbau einer Unternehmensbilanz einfach erklärt
Eine Bilanz besteht nicht nur aus einer Gesamtsumme. Sie gliedert Vermögen und Finanzierung in einzelne Bilanzpositionen. Wer Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten versteht, kann Veränderungen einer Unternehmensbilanz wesentlich besser einordnen.
Welche Bilanzpositionen gibt es? Auf der Aktivseite stehen bei Kapitalgesellschaften insbesondere Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Rechnungsabgrenzungsposten, aktive latente Steuern und gegebenenfalls ein aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung. Auf der Passivseite stehen insbesondere Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten und passive latente Steuern. Die Detailtiefe kann sich abhängig von der Größenklasse des Unternehmens unterscheiden.
Was sind Bilanzpositionen?
Bilanzpositionen sind einzelne Posten, unter denen Vermögenswerte, Eigenkapital, Verpflichtungen und weitere bilanzielle Sachverhalte zusammengefasst werden.
Sie strukturieren die Unternehmensbilanz und machen sichtbar, wie sich Vermögen und Finanzierung zusammensetzen.
Bei Kapitalgesellschaften gibt § 266 HGB eine gesetzliche Gliederung vor. Dabei wird zwischen Aktivseite und Passivseite unterschieden.
Bilanzpositionen im Überblick: Aktiva und Passiva
Aktivseite
Passivseite
Bilanzpositionen der Aktivseite
Die Aktivseite zeigt insbesondere, wie sich das Vermögen eines Unternehmens zusammensetzt. Die größten Bereiche sind Anlagevermögen und Umlaufvermögen.
Anlagevermögen: Welche Positionen gehören dazu?
Das Anlagevermögen steht auf der Aktivseite der Bilanz und wird bei Kapitalgesellschaften nach § 266 HGB in drei große Bereiche gegliedert.
Immaterielle Vermögensgegenstände
Dazu können beispielsweise Rechte, Lizenzen oder ein Geschäfts- oder Firmenwert gehören.
Sachanlagen
Beispielsweise Grundstücke, Gebäude, Maschinen, technische Anlagen und Betriebs- und Geschäftsausstattung.
Finanzanlagen
Dazu gehören unter anderem Beteiligungen, Anteile an verbundenen Unternehmen, bestimmte Ausleihungen und Wertpapiere des Anlagevermögens.
Umlaufvermögen: Welche Positionen gehören dazu?
Das Umlaufvermögen umfasst bei Kapitalgesellschaften mehrere Gruppen von Vermögenspositionen, die sich von den langfristig gebundenen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens unterscheiden.
Vorräte
Beispielsweise Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Waren.
Forderungen
Dazu gehören unter anderem Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen.
Wertpapiere
Bestimmte Wertpapierbestände, die dem Umlaufvermögen zugeordnet werden.
Kasse und Bank
Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten und weitere liquide Positionen.
Bilanzpositionen der Passivseite
Die Passivseite zeigt insbesondere, wie das Vermögen des Unternehmens finanziert wird und welche Verpflichtungen ausgewiesen werden.
Eigenkapital
Gezeichnetes Kapital, Rücklagen, Ergebnisvorträge und Ergebnis des Geschäftsjahres.
B.Rückstellungen
Beispielsweise Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen.
C.Verbindlichkeiten
Verpflichtungen beispielsweise gegenüber Banken, Lieferanten und verbundenen Unternehmen.
Welche Positionen gehören zum Eigenkapital?
Das Eigenkapital besteht bei Kapitalgesellschaften aus mehreren Unterpositionen. Deren Ausprägung hängt auch von Rechtsform und Unternehmenssituation ab.
| Eigenkapitalposition | Bedeutung | Was beim Vergleich interessant ist |
|---|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | Gesellschaftsrechtlich festgelegtes Kapital | Veränderungen können auf Kapitalmaßnahmen hinweisen |
| Kapitalrücklage | Bestandteil des bilanziellen Eigenkapitals | Veränderungen über mehrere Jahre betrachten |
| Gewinnrücklagen | Im Unternehmen belassene Eigenkapitalbestandteile | Aufbau oder Abbau im Zeitverlauf betrachten |
| Gewinnvortrag / Verlustvortrag | Aus früheren Geschäftsjahren fortgeführte Ergebnisse | Entwicklung gemeinsam mit weiteren Ergebnispositionen ansehen |
| Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag | Ergebnis des betrachteten Geschäftsjahres | Mit Vorjahren und GuV verbinden |
Rückstellungen als Bilanzposition
Rückstellungen stehen auf der Passivseite. Nach § 266 HGB werden bei Kapitalgesellschaften insbesondere Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen unterschieden.
Bei der Bilanzanalyse ist häufig weniger der einzelne Betrag als dessen Veränderung über mehrere Jahre interessant.
Ein deutlicher Anstieg kann einen weiteren Prüfpunkt darstellen, ist für sich allein aber noch keine negative Bewertung.
Rückstellungen Bilanz
Rückstellungsarten, Veränderungen und mögliche Zusammenhänge verstehen.
Welche Verbindlichkeiten können in der Bilanz stehen?
Der Sammelposten „Verbindlichkeiten“ kann verschiedene Arten von Verpflichtungen enthalten. Die Zusammensetzung ist für die Analyse häufig wichtiger als der Gesamtbetrag allein.
Kreditinstitute
Verbindlichkeiten gegenüber Banken und anderen Kreditinstituten.
Lieferanten
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
Verbundene Unternehmen
Verpflichtungen gegenüber Gesellschaften, die zum Unternehmensverbund gehören.
Beteiligungsunternehmen
Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht.
Erhaltene Anzahlungen
Unter bestimmten Voraussetzungen gesondert ausgewiesene Anzahlungen.
Sonstige Verbindlichkeiten
Weitere Verpflichtungen, die keinem spezielleren Posten zugeordnet werden.
Warum „verbundene Unternehmen“ in der Bilanz interessant sind
Mehrere Bilanzpositionen können einen direkten Bezug zu anderen Gesellschaften enthalten.
Dazu gehören beispielsweise Anteile an verbundenen Unternehmen, Forderungen gegen verbundene Unternehmen oder Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen.
Diese Positionen zeigen zwar finanzielle beziehungsweise bilanzielle Beziehungen, bilden das tatsächliche Unternehmensnetzwerk jedoch nicht vollständig ab.
Für die strukturelle Einordnung sollten deshalb zusätzlich Eigentümer- und Beteiligungsinformationen betrachtet werden.
Beteiligungen & Eigentümer
Direkte und indirekte Verbindungen zwischen Gesellschaften nachvollziehen.
KontrolleKYC & Compliance
Eigentümer- und Kontrollstrukturen zusätzlich berücksichtigen.
GesamtbildFirmendossier
Bilanzpositionen mit Beteiligungen, Eigentümern und Personeninformationen verbinden.
Weitere Bilanzpositionen: Rechnungsabgrenzung und latente Steuern
Neben den großen Bilanzblöcken gibt es weitere Positionen, die insbesondere der periodengerechten Rechnungslegung und der Abbildung bestimmter bilanzieller Unterschiede dienen.
Rechnungsabgrenzungsposten
Sie dienen dazu, bestimmte Zahlungen dem wirtschaftlich zutreffenden Zeitraum zuzuordnen.
Aktive latente Steuern
Sie können aus bestimmten Unterschieden zwischen handelsrechtlicher und steuerlicher Bewertung entstehen.
Passive latente Steuern
Auch auf der Passivseite können steuerliche Bewertungsunterschiede bilanziell abgebildet werden.
Was bedeutet „Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“?
Eine besondere Position kann auftreten, wenn das Eigenkapital durch Verluste aufgebraucht ist.
Ergibt sich anschließend ein Überschuss der Passivposten über die Aktivposten, wird dieser Betrag nach § 268 HGB auf der Aktivseite gesondert als „Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ ausgewiesen.
Eine solche Position ist bei einer Unternehmensanalyse ein wichtiger Prüfpunkt, sollte aber ebenfalls im Zusammenhang mit weiteren Finanz- und Unternehmensinformationen betrachtet werden.
Warum fehlen bei kleinen Unternehmen Bilanzpositionen?
Nicht jede veröffentlichte Bilanz zeigt sämtliche Unterpositionen des vollständigen Schemas.
Nach § 266 HGB dürfen kleine Kapitalgesellschaften eine verkürzte Bilanz aufstellen. Kleinstkapitalgesellschaften dürfen die Gliederung noch weiter reduzieren.
Deshalb kann eine öffentlich sichtbare Bilanz einer kleinen GmbH wesentlich kompakter aussehen als die Bilanz eines großen Unternehmens.
Welche Bilanzpositionen sollte man zuerst prüfen?
Für einen ersten Überblick muss nicht jede einzelne Unterposition sofort analysiert werden. Sinnvoll ist zunächst die Konzentration auf einige zentrale Größen.
Bilanzsumme
Zunächst die Größenordnung der Bilanz und ihre Veränderung gegenüber den Vorjahren betrachten.
Anlage- und Umlaufvermögen
Prüfen, wie sich die Vermögensstruktur zusammensetzt und ob es deutliche Verschiebungen gegeben hat.
Eigenkapital
Höhe und Entwicklung des bilanziellen Eigenkapitals betrachten.
Verbindlichkeiten
Gesamtbetrag und – soweit verfügbar – Zusammensetzung der Verpflichtungen prüfen.
Rückstellungen
Auf Veränderungen und ungewöhnliche Entwicklungen achten.
Vorjahre vergleichen
Erst mehrere Geschäftsjahre zeigen, ob Veränderungen einmalig sind oder sich ein längerfristiger Trend entwickelt.
Was können Veränderungen einzelner Bilanzpositionen zeigen?
| Veränderung | Erste Beobachtung | Nächste Frage |
|---|---|---|
| Anlagevermögen steigt stark | mehr langfristig gebundenes Vermögen | Was wurde investiert oder erworben? |
| Finanzanlagen steigen | Veränderung innerhalb des langfristigen Finanzvermögens | Sind neue Beteiligungen oder Unternehmensverbindungen entstanden? |
| Forderungen steigen stark | mehr Kapital in Forderungen gebunden | Haben Geschäftstätigkeit oder Zahlungsziele gleichzeitig zugenommen? |
| Eigenkapital sinkt | Eigenkapitalbasis verändert sich | Wie entwickeln sich Ergebnis und Eigenkapitalquote? |
| Verbindlichkeiten steigen | Verpflichtungen nehmen zu | Wem gegenüber und was wurde damit finanziert? |
| Rückstellungen steigen | Rückstellungsbedarf verändert sich | Welche Rückstellungsarten haben zugenommen? |
Bilanzpositionen nicht ohne GuV und Anhang betrachten
Die Bilanz zeigt die Situation zu einem bestimmten Abschlussstichtag. Sie erklärt jedoch nicht jede Veränderung.
Soweit verfügbar, sollte deshalb zusätzlich die Gewinn- und Verlustrechnung betrachtet werden.
Der Anhang zum Jahresabschluss kann zusätzliche Angaben zu einzelnen Bilanzpositionen enthalten.
Ein verfügbarer Lagebericht kann weiteren Kontext zur wirtschaftlichen Entwicklung liefern.
Von Bilanzpositionen zu Finanzkennzahlen
Einzelne Bilanzpositionen bilden die Grundlage für zahlreiche Finanzkennzahlen.
So lassen sich beispielsweise Eigenkapital und Bilanzsumme ins Verhältnis setzen oder Verbindlichkeiten innerhalb der gesamten Finanzstruktur betrachten.
Wo findet man Bilanzpositionen eines Unternehmens?
Bilanzpositionen können aus öffentlich verfügbaren Rechnungslegungsunterlagen eines Unternehmens entnommen werden.
Für neuere Geschäftsjahre ist insbesondere das Unternehmensregister relevant. Für ältere Geschäftsjahre kann weiterhin der Bundesanzeiger die richtige Quelle sein.
Warum einzelne Bilanzpositionen für Unternehmensprüfungen wichtig sind
Bilanzpositionen zeigen Veränderungen. Das Unternehmensnetzwerk liefert zusätzlichen Kontext.
Bilanzpositionen können zeigen, dass Finanzanlagen steigen, Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen zunehmen oder sich Vermögen und Eigenkapital deutlich verändern.
Aus der Bilanz allein ergibt sich jedoch nicht vollständig, welche Gesellschaften tatsächlich beteiligt sind, wem sie gehören oder wie sich das Unternehmensnetzwerk verändert hat.
Ein Firmendossier verbindet verfügbare Finanzinformationen mit Eigentümern, Beteiligungsstrukturen, Geschäftsführung, Personenhistorie und Unternehmensnetzwerk.
Beteiligungs- und Eigentümerstrukturen können dabei – soweit anhand verfügbarer Informationen nachvollziehbar – bis zur fünften Netzwerkebene betrachtet werden.
Weiterführende Themen zu Jahresabschlüssen & Bilanzen
Häufige Fragen zu Bilanzpositionen
Was sind Bilanzpositionen?
Bilanzpositionen sind einzelne Posten, unter denen Vermögenswerte, Eigenkapital, Verpflichtungen und weitere bilanzielle Sachverhalte ausgewiesen werden.
Welche Bilanzpositionen stehen auf der Aktivseite?
Zu den großen Positionen gehören insbesondere Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Hinzu kommen unter anderem Rechnungsabgrenzungsposten und gegebenenfalls aktive latente Steuern.
Welche Bilanzpositionen stehen auf der Passivseite?
Zu den zentralen Passivpositionen gehören Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Hinzu kommen unter anderem Rechnungsabgrenzungsposten und gegebenenfalls passive latente Steuern.
Was gehört zum Anlagevermögen?
Anlagevermögen wird bei Kapitalgesellschaften insbesondere in immaterielle Vermögensgegenstände, Sachanlagen und Finanzanlagen gegliedert.
Was gehört zum Umlaufvermögen?
Zum Umlaufvermögen gehören insbesondere Vorräte, Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände, bestimmte Wertpapiere sowie Kassen- und Bankbestände.
Ist die Bilanzsumme eine Bilanzposition?
Die Bilanzsumme ist die Gesamtsumme der Bilanz und entspricht auf Aktiv- und Passivseite demselben Betrag. Mehr dazu unter Bilanzsumme .
Warum fehlen bei einer kleinen GmbH einzelne Bilanzpositionen?
Kleine und Kleinstkapitalgesellschaften können nach § 266 HGB verkürzte Bilanzgliederungen nutzen. Deshalb ist die öffentlich sichtbare Bilanz häufig weniger detailliert.
Welche Bilanzpositionen sind bei einer Unternehmensanalyse besonders wichtig?
Häufig werden zunächst Bilanzsumme, Eigenkapital, Verbindlichkeiten, Rückstellungen sowie Anlage- und Umlaufvermögen betrachtet. Entscheidend ist zusätzlich die Entwicklung über mehrere Geschäftsjahre.
Was bedeutet „Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen“?
Die Position zeigt bilanzielle Verpflichtungen gegenüber verbundenen Gesellschaften. Sie bildet jedoch nicht automatisch das vollständige Beteiligungs- und Eigentümernetzwerk des Unternehmens ab.
Wo kann ich Bilanzpositionen einer Firma einsehen?
Sie können Bestandteil öffentlich zugänglicher Rechnungslegungsunterlagen sein. Wie Sie diese finden, erklären wir unter Bilanz einsehen .
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