Bilanzsumme

Bilanzsumme · Unternehmensgröße · Entwicklung

Bilanzsumme: Bedeutung, Berechnung und Entwicklung verstehen

Die Bilanzsumme ist die Gesamtsumme der Aktivseite und zugleich der Passivseite einer Bilanz. Sie liefert einen ersten Anhaltspunkt für die Größenordnung der bilanzierten Vermögens- und Kapitalpositionen. Aussagekräftig wird sie jedoch erst, wenn geprüft wird, welche Bilanzpositionen hinter ihrer Veränderung stehen.

Kurzantwort

Was ist die Bilanzsumme? Die Bilanzsumme ist der Gesamtbetrag aller Aktivpositionen beziehungsweise aller Passivpositionen einer Bilanz. Da beide Seiten einer Bilanz ausgeglichen sein müssen, ist die Summe auf beiden Seiten identisch. Eine steigende Bilanzsumme bedeutet zunächst nur, dass sich die bilanzierten Vermögens- und Finanzierungspositionen vergrößert haben. Ob dies positiv, neutral oder kritisch einzuordnen ist, lässt sich aus der Bilanzsumme allein nicht ableiten.

Was bedeutet Bilanzsumme?

Eine Bilanz besteht aus einer Aktiv- und einer Passivseite. Beide Seiten weisen am Ende denselben Gesamtbetrag aus.

Dieser Betrag ist die Bilanzsumme.

Auf der Aktivseite entsteht sie aus der Summe der ausgewiesenen Vermögenspositionen. Auf der Passivseite ergibt sie sich aus der Summe von Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und weiteren Passivposten.

Den vollständigen Aufbau erläutern wir unter Bilanzpositionen .

Wie wird die Bilanzsumme berechnet?

Die Bilanzsumme wird nicht aus einer einzigen Kennzahl berechnet, sondern ergibt sich aus der Addition sämtlicher Bilanzpositionen einer Seite.

Summe Aktiva = Summe Passiva = Bilanzsumme Aktiv- und Passivseite müssen denselben Gesamtbetrag ergeben.
Aktivseite

Vermögenspositionen addieren

Dazu gehören insbesondere Anlagevermögen, Umlaufvermögen und weitere Aktivposten.

Passivseite

Finanzierungspositionen addieren

Dazu gehören insbesondere Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und weitere Passivposten.

Beispiel für eine Bilanzsumme

Ein stark vereinfachtes Beispiel zeigt das Prinzip.

Aktivseite Betrag Passivseite Betrag
Anlagevermögen 2,0 Mio. € Eigenkapital 1,5 Mio. €
Umlaufvermögen 3,0 Mio. € Rückstellungen 0,5 Mio. €
Weitere Aktivposten 0,2 Mio. € Verbindlichkeiten und weitere Passivposten 3,2 Mio. €
Bilanzsumme 5,2 Mio. € Bilanzsumme 5,2 Mio. €
Die Bilanzsumme von 5,2 Mio. € sagt zunächst nur, wie groß die Summe der bilanzierten Positionen ist. Sie sagt noch nicht, ob das Unternehmen hoch verschuldet, eigenkapitalstark oder besonders liquide ist.

Was sagt die Bilanzsumme über ein Unternehmen aus?

Die Bilanzsumme kann als eine Größenangabe der Bilanz verwendet werden.

Sie zeigt jedoch nicht direkt Umsatz, Gewinn, Liquidität oder Unternehmenswert.

Zwei Unternehmen können dieselbe Bilanzsumme besitzen, obwohl ihre wirtschaftliche Struktur völlig unterschiedlich ist.

Zeigt

Größenordnung der Bilanz

Die Bilanzsumme zeigt, welche Größenordnung die insgesamt bilanzierten Positionen erreichen.

Zeigt nicht direkt

Umsatz

Ein Unternehmen mit hoher Bilanzsumme muss nicht automatisch einen entsprechend hohen Umsatz besitzen.

Zeigt nicht direkt

Gewinn

Die Bilanzsumme erlaubt keine direkte Aussage darüber, ob ein Unternehmen Gewinne oder Verluste erwirtschaftet.

Zeigt nicht direkt

Unternehmenswert

Bilanzsumme und Unternehmenswert sind unterschiedliche Größen.

Zeigt nicht direkt

Bonität

Eine hohe oder niedrige Bilanzsumme ist für sich allein keine Bonitätsbewertung.

Besonders interessant

Entwicklung

Veränderungen über mehrere Geschäftsjahre können auf strukturelle Entwicklungen hinweisen.

Was bedeutet eine steigende Bilanzsumme?

Steigt die Bilanzsumme, haben sich die bilanzierten Positionen insgesamt erhöht.

Die entscheidende Frage lautet dann: Welche Positionen sind gestiegen?

Erst dadurch lässt sich erkennen, welcher wirtschaftliche Vorgang hinter der Bilanzverlängerung stehen könnte.

Anlagevermögen steigt

Möglicherweise wurden neue langfristige Vermögenswerte aufgebaut oder Investitionen getätigt.

Vorräte steigen

Das Unternehmen bindet mehr Kapital in Vorräten oder Warenbeständen.

Forderungen steigen

Mehr Kapital ist in Forderungen gegenüber Kunden oder anderen Gesellschaften gebunden.

Liquide Mittel steigen

Bank- und Kassenbestände können die Bilanzsumme ebenfalls erhöhen.

Verbindlichkeiten steigen

Zusätzliches Fremdkapital oder andere Verpflichtungen können die Passivseite vergrößern.

Eigenkapital steigt

Auch eine stärkere Eigenkapitalbasis kann Teil einer wachsenden Bilanz sein.

Steigende Bilanzsumme bedeutet nicht automatisch Wachstum im operativen Geschäft. Sie zeigt zunächst eine Vergrößerung der Bilanz. Die Ursache muss anhand der einzelnen Positionen und weiterer Finanzinformationen geprüft werden.

Was bedeutet eine sinkende Bilanzsumme?

Eine sinkende Bilanzsumme bedeutet, dass die Summe der bilanzierten Vermögens- und Finanzierungspositionen zurückgeht.

Auch das ist nicht automatisch positiv oder negativ.

Möglich sind beispielsweise Vermögensverkäufe, Rückführung von Verbindlichkeiten, geringere Forderungen oder Vorräte, Ausschüttungen oder andere Veränderungen.

Anlagevermögen sinkt

Vermögenswerte können verkauft, abgeschrieben oder anderweitig reduziert worden sein.

Forderungen sinken

Forderungen können eingezogen worden sein oder das Geschäftsvolumen hat sich verändert.

Verbindlichkeiten sinken

Verpflichtungen können zurückgeführt oder abgebaut worden sein.

Ist eine hohe Bilanzsumme gut?

Nein. Eine hohe Bilanzsumme ist weder automatisch positiv noch negativ.

Ein Unternehmen kann eine hohe Bilanzsumme aufgrund großer Sachanlagen besitzen. Ein anderes Unternehmen kann denselben Gesamtbetrag durch hohe Forderungen und Verbindlichkeiten erreichen.

Deshalb muss immer betrachtet werden, wie sich die Bilanzsumme zusammensetzt.

Bilanzsumme Mögliche Struktur Aussage
10 Mio. € hoher Anteil Eigenkapital andere Finanzierungsstruktur als bei überwiegender Fremdfinanzierung
10 Mio. € hoher Anteil Verbindlichkeiten gleiche Bilanzsumme, aber andere Kapitalstruktur
10 Mio. € überwiegend Sachanlagen andere Vermögensstruktur als bei hohem Umlaufvermögen
10 Mio. € überwiegend Forderungen gleicher Gesamtbetrag, aber andere Kapitalbindung

Bilanzsumme und Eigenkapital zusammen betrachten

Besonders häufig wird die Bilanzsumme mit dem Eigenkapital in Beziehung gesetzt.

Daraus lässt sich die Eigenkapitalquote ableiten.

Eigenkapitalquote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100 Die Quote zeigt den bilanziellen Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme.

Bilanzsumme und Verbindlichkeiten vergleichen

Auch Verbindlichkeiten sollten nicht nur als absoluter Betrag betrachtet werden.

Steigen die Verbindlichkeiten beispielsweise um 20 Prozent, während die gesamte Bilanzsumme gleichzeitig ähnlich stark wächst, ergibt sich ein anderes Bild als bei steigenden Verbindlichkeiten und einer schrumpfenden Bilanz.

Bilanzsumme über mehrere Jahre vergleichen

Besonders aussagekräftig wird die Bilanzsumme im Mehrjahresvergleich.

Jahr Bilanzsumme Veränderung Nächste Prüfung
2022 4,2 Mio. € Ausgangswert Bilanzstruktur ansehen
2023 4,5 Mio. € moderater Anstieg veränderte Positionen identifizieren
2024 5,0 Mio. € weiteres Wachstum Aktiv- und Passivseite vergleichen
2025 7,3 Mio. € deutlicher Sprung Ursache der Bilanzverlängerung prüfen
Ein Sprung von 5,0 auf 7,3 Mio. € ist zunächst eine Auffälligkeit. Erst der Vergleich der einzelnen Bilanzpositionen zeigt, wodurch die Veränderung entstanden ist.

Bilanzverlängerung und Bilanzverkürzung

Bilanzsumme steigt

Bilanzverlängerung

Vereinfacht gesprochen steigt die Bilanzsumme, weil sich Aktiv- und Passivseite entsprechend vergrößern.

Bilanzsumme sinkt

Bilanzverkürzung

Vereinfacht gesprochen sinkt die Bilanzsumme, weil sich Aktiv- und Passivseite entsprechend reduzieren.

Die Veränderung der Bilanzsumme allein bewertet den Vorgang nicht. Entscheidend ist, welche Positionen sich gleichzeitig auf Aktiv- und Passivseite verändert haben.

Kann man Unternehmen anhand der Bilanzsumme vergleichen?

Die Bilanzsumme kann einen ersten Größenvergleich ermöglichen.

Für einen wirtschaftlichen Vergleich reicht sie jedoch nicht aus.

Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen können völlig unterschiedliche Bilanzstrukturen besitzen. Ein anlagenintensives Produktionsunternehmen kann beispielsweise eine deutlich andere Bilanzsumme aufweisen als ein Dienstleistungsunternehmen mit vergleichbarem Umsatz.

Deshalb sollten beim Vergleich verschiedener Unternehmen zusätzlich Finanzkennzahlen und das Geschäftsmodell berücksichtigt werden.

Bilanzsumme ist nicht dasselbe wie Umsatz

Bilanz

Bilanzsumme

Stichtagsbezogene Summe der bilanzierten Vermögens- beziehungsweise Kapitalpositionen.

Geschäftsjahr

Umsatz

Erlöse aus der Geschäftstätigkeit innerhalb eines bestimmten Zeitraums, soweit entsprechende Angaben verfügbar sind.

Bilanzsumme und Umsatz können daher sehr unterschiedliche Größenordnungen aufweisen und dürfen nicht miteinander verwechselt werden.

Bilanzsumme nicht ohne weitere Finanzdaten bewerten

Eine Bilanzsumme zeigt den Umfang der Bilanz, aber nicht die Ertragsentwicklung.

Soweit verfügbar, sollte deshalb auch die Gewinn- und Verlustrechnung betrachtet werden.

Der Anhang kann zusätzliche Erläuterungen zu einzelnen Bilanzpositionen enthalten.

Bilanzsumme in 5 Schritten einordnen

1

Geschäftsjahr prüfen

Stellen Sie sicher, dass die Bilanzsumme zum richtigen Geschäftsjahr und zur richtigen Gesellschaft gehört.

2

Vorjahreswert vergleichen

Prüfen Sie, ob die Bilanzsumme steigt, sinkt oder stabil bleibt.

3

Aktivseite zerlegen

Identifizieren Sie, welche Vermögenspositionen die Veränderung verursacht haben.

4

Passivseite zerlegen

Prüfen Sie, wie das zusätzliche beziehungsweise reduzierte Vermögen finanziert ist.

5

Unternehmenskontext ergänzen

Prüfen Sie, ob Investitionen, Beteiligungserwerbe, Umstrukturierungen oder andere Veränderungen zeitlich mit der Bilanzentwicklung zusammenfallen.

Wenn die Bilanzsumme plötzlich steigt: Unternehmensstruktur mitprüfen

Eine auffällige Veränderung der Bilanzsumme kann zeitlich mit Veränderungen der Unternehmensstruktur zusammenfallen.

Steigen beispielsweise Finanzanlagen deutlich, kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob neue Beteiligungen hinzugekommen sind.

Ebenso können Umstrukturierungen, neue Tochtergesellschaften oder Veränderungen innerhalb einer Unternehmensgruppe weiteren Kontext liefern.

Dafür sollten zusätzlich Beteiligungen & Eigentümer betrachtet werden.

Wo finde ich die Bilanzsumme eines Unternehmens?

Die Bilanzsumme kann aus der veröffentlichten beziehungsweise zugänglichen Bilanz eines Unternehmens entnommen werden.

Für neuere Rechnungslegungsunterlagen ist insbesondere das Unternehmensregister relevant. Für ältere Geschäftsjahre kann weiterhin der Bundesanzeiger die passende Quelle sein.

Eine Bilanzsumme zeigt, dass sich etwas verändert hat. Ein Firmendossier hilft beim Zusammenhang.

Steigt die Bilanzsumme plötzlich deutlich, ist zunächst interessant, welche Bilanzpositionen dafür verantwortlich sind.

Steigen beispielsweise gleichzeitig Finanzanlagen, Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen oder Verbindlichkeiten innerhalb einer Gruppe, können weitere Unternehmensinformationen wichtig werden.

Ein Firmendossier verbindet verfügbare Finanzinformationen mit Eigentümern, Beteiligungsstrukturen, Geschäftsführung, Personenhistorie und Unternehmensnetzwerk.

Beteiligungs- und Eigentümerstrukturen können dabei – soweit anhand verfügbarer Informationen nachvollziehbar – bis zur fünften Netzwerkebene betrachtet werden.

Häufige Fragen zur Bilanzsumme

Was ist die Bilanzsumme einfach erklärt?

Die Bilanzsumme ist der Gesamtbetrag aller Positionen der Aktivseite beziehungsweise aller Positionen der Passivseite einer Bilanz. Beide Seiten weisen denselben Gesamtbetrag aus.

Wie berechnet man die Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ergibt sich durch Addition sämtlicher Aktivposten. Derselbe Betrag ergibt sich auch aus der Addition sämtlicher Passivposten.

Ist eine hohe Bilanzsumme gut?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, aus welchen Vermögens- und Finanzierungspositionen sich die Bilanzsumme zusammensetzt und wie sich diese Positionen entwickeln.

Was bedeutet eine steigende Bilanzsumme?

Sie bedeutet zunächst, dass sich die Summe der bilanzierten Vermögens- und Finanzierungspositionen erhöht hat. Für die Einordnung muss geprüft werden, welche einzelnen Bilanzpositionen gestiegen sind.

Was bedeutet eine sinkende Bilanzsumme?

Sie zeigt einen Rückgang der insgesamt bilanzierten Positionen. Die Ursache kann beispielsweise im Abbau von Vermögen oder Verbindlichkeiten liegen und muss genauer untersucht werden.

Ist Bilanzsumme dasselbe wie Umsatz?

Nein. Die Bilanzsumme ist eine stichtagsbezogene Größe der Bilanz. Umsatz betrifft Erlöse innerhalb eines Geschäftsjahres.

Ist Bilanzsumme dasselbe wie Unternehmenswert?

Nein. Die Bilanzsumme ist kein Markt- oder Unternehmenswert. Sie beschreibt lediglich die Summe der bilanzierten Positionen.

Wofür wird die Bilanzsumme bei Kennzahlen benötigt?

Sie dient unter anderem als Bezugsgröße für Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote. Mehr dazu unter Eigenkapitalquote Unternehmen .

Wo finde ich die Bilanzsumme einer Firma?

Sie ist aus der Bilanz eines Unternehmens ersichtlich. Öffentlich zugängliche Bilanzen können über Rechnungslegungsunterlagen im Unternehmensregister beziehungsweise für ältere Geschäftsjahre im Bundesanzeiger recherchiert werden. Mehr dazu unter Bilanz einsehen .

Warum sollte man die Bilanzsumme mehrerer Jahre vergleichen?

Der Mehrjahresvergleich zeigt, ob sich die Größe und Struktur der Bilanz dauerhaft verändert. Entscheidend ist anschließend, welche Bilanzpositionen den Anstieg oder Rückgang verursacht haben.

Bilanzsumme verändert – jetzt die Ursache dahinter betrachten

Firmendossiers verbinden verfügbare Finanzinformationen mit Eigentümern, Beteiligungsstrukturen, handelnden Personen, Personenhistorie und Unternehmensnetzwerk. Dadurch lassen sich Veränderungen der Bilanz nicht nur als Zahl, sondern im Zusammenhang mit weiteren Unternehmensentwicklungen betrachten.

Nach oben scrollen